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Editorials der Ausgabe Januar 2022

Danksagung und Neubeginn in der Chefredaktion der KRIMINALISTIK

Verehrte Leserinnen und Leser,

mit dem Jahresauftakt 2022 geht eine Ära zu Ende: Herr Ltd. Kriminaldirektor a.D. Bernd Fuchs beendet nach 13 Jahren auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit als Chefredakteur der KRIMINALISTIK. Sein reicher praktischer Erfahrungsschatz aus Tätigkeiten in Bereichen der Kapital- und Branddelikte und bei Sonderkommissionen, im Aufbaustab von EUROPOL und als Leiter der Kriminalpolizei der Polizeidirektion Heidelberg sowie sein als Dozent für Kriminalistik/Kriminologie an der PFA Münster erworbenes didaktisches Knowhow haben das Ansehen der Zeitschrift maßgeblich geprägt. Allmonatlich sind unter seiner Federführung Fachbeiträge zur Veröffentlichung gelangt, die hinsichtlich Aktualität, kriminalpolitischer Relevanz, thematischer Spannbreite und Tiefgang der Abhandlungen bei Leserinnen und Lesern keine Wünsche offenließen. Pointierte, wohlformulierte Editorials wiesen den Weg zum Inhalt der Ausgaben, fassten nicht selten auch "heiße Eisen" an, ohne allerdings das nötige Fingerspitzengefühl vermissen zu lassen.

Der Verlag C.F. Müller ist Herrn Fuchs sehr dankbar für sein langjähriges großes Engagement, seinen unermüdlichen Einsatz zum Besten der KRIMINALISTIK und für die angenehme und konstruktive, stets verlässliche Zusammenarbeit mit dem von ihm geknüpften Netzwerk von Autorinnen und Autoren sowie den redaktionell Mitarbeitenden. Sein Wirken für unsere Zeitschrift wird auch deren Zukunft mitgestalten. Vielen Dank für die enge Verbundenheit und die Unterstützung im Übergang auf die neuen Chefredakteure, die von nun an den Staffelstab ansatzlos übernehmen können!

Ihr Verlag C.F. Müller
 

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Das neue Chefredakteursteam stellt sich vor

Wir als neues Chefredakteursteam treten mit großem Respekt vor der Leistung unserer Vorgänger, aber auch mit sehr viel Vorfreude die Nachfolge von Herrn Fuchs in dem Bestreben an, auch weiterhin einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren. Dabei haben zahlreiche Gespräche mit unserem Vorgänger und dem Verlag uns letztlich zu dem Entschluss geführt, neben unseren Hauptberufen zusätzlich diese herausragende und interessante, aber auch komplexe Aufgabe zu übernehmen.

Neben unseren mehrjährigen Erfahrungen in der Lehre und als Redakteure des "Campus-Teils" der KRIMINALISTIK bringen wir jeweils viele Jahre Berufserfahrung aus der Praxis mit. So war Joachim Faßbender als Polizist im Bundesgrenzschutz, dann als Kriminalist im Bundeskriminalamt in unterschiedlichsten Verwendungen in den Abteilungen Organisierte und Allgemeine Kriminalität, Polizeilicher Staatsschutz oder auch im Kriminalistischen Institut eingesetzt und ist jetzt Leiter des Fachgebiets III/3 (Kriminalistik - Phänomenbezogene Kriminalstrategie) an der Deutschen Hochschule der Polizei. Sigmund Martin war als Staatsanwalt und Richter in der hessischen und brandenburgischen Justiz sowie als Rechtsanwalt in Berlin tätig und ist gegenwärtig stellvertretender Fachbereichsleiter und Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Kriminalpolizei beim BKA (BKA IZ 31). Damit ergänzen sich zwei höchst unterschiedliche Lebensläufe im Sinne der Zielvorstellung der renommierten Fachzeitschrift KRIMINALISTIK. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der bestehenden vielfältigen Kontakte in den polizeilichen Organisationen, der Justiz aber auch der Wissenschaft sehen wir in der erstmaligen gemeinsamen Wahrnehmung der Aufgaben in der Chefredaktion der KRIMINALISTIK die Chance für eine ausgewogene Vielfalt von Themenbeiträgen und einen verstärkten Theorie-Praxis-Transfer.

Dieses kann jedoch nur dann gut gelingen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, aktuellen und künftigen Autoren Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen in gewohnter Weise dem Fachpublikum zur Verfügung stellen. Dementsprechend freuen wir uns über jede Manuskripteinreichung, welche Sie bitte künftig über den neuen E-Mail-Verteiler kriminalistik@cfmueller.de vornehmen wollen.

Einen Schwerpunkt des vorliegenden Heftes bilden die Bereiche Verschwörungstheorien, Radikalisierung und Pandemie. Mit Problemstellungen der Erfassung und Auswertung verschwörungsideologisch induzierter Straftaten setzt sich Sven Rocho in einem ersten Beitrag auseinander. Verena Fiebig und Daniel Köhler richten ihren Fokus auf das Zusammenspiel von Verschwörungserzählungen und extremistischen Radikalisierungsprozessen in sozialenMedien und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Entstehungsbedingungen von politisch motivierter (Gewalt-)Kriminalität. Einen kritischen Blick auf aktuelle Gegenstrategien zur Radikalisierung wirft Michail Logvinov mit seinem Beitrag zur Deradikalisierungsforschung. Die Ausnutzung Pandemie bedingter Tatgelegenheiten nimmt Benedict Pietsch mit seinem Beitrag zur Reform der Strafbarkeit des Herstellens und Gebrauchmachens gefälschter COVID-19-Impfnachweise nach dem StGB in den Blick.

Mit den 2017 eingeführten Neuregelungen zur Geldwäsche sollte ein wesentliches Instrument zur Bekämpfung der OK in seiner Anwendung umfangreicher und praxistauglicher ausgestaltet werden. Anja Schiemann setzt sich mit diesen Neuregelungen in einer kritischen Würdigung auseinander. Ebenfalls kritisch betrachtet Petr Skoblikov einen Beschluss des Plenums des Obersten Gerichts der Russischen Föderation zur Einziehung.

Möglichkeiten des Kriminalistik-Studiums stellt Gerrit Domenghino in seinem Beitrag vergleichend dar. Christian Herrmann beleuchtet in seinem Beitrag zur "Spezialkommission" des Ministeriums für Staatssicherheit einen Teil der Sicherheitsarchitektur der Deutschen Demokratischen Republik. Mirjam Loewe-Baur betrachtet mit ihrem Beitrag zur "Romance Scam" einen verhältnismäßig neuen Modus Operandi mit weitreichenden Folgen.

Im Campus-Teil zeigen Felix Hackner und Roland Hoheisel-Gruler Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Polizei mit Steuerbehörden auf, während Linus Dietrich sich mit dem ungebrochen aktuellen Thema der Gewalt gegen ältere Pflegebedürftige auseinandersetzt.

Joachim Faßbender und Prof. Dr. Sigmund P. Martin